G’sundes Südtirol: Therapeutisches Gestalten

Oft belächelt, ist das therapeutische Gestalten in der Wirkung in unterschiedlichen Bereichen aber unumstritten, erklärt unser Radio-Dr. Christian Thuile.

Die Kreativität ist nicht nur Künstlern vorbehalten, jeder von uns kann sich dadurch auszudrücken und auch weiterentwickeln. Das therapeutische Gestalten hilft in erster Linie dabei Stress abzubauen, sich mit sich selbst zu beschäftigen und Gefühle zuzulassen und ihnen eine Form zu geben. Die Möglichkeiten sind dabei vielfältig: vom klassischen Töpfern über das Arbeiten mit Holz und anderen Naturmaterialien, bis zum Stricken und Sticken, genauso wie das Theaterspielen und das Tanzen, um nur einige zu nennen.

Indem man sich, unter Anleitung von dafür ausgebildeten Fachleuten, konzentriert mit einer kreativen Tätigkeit auseinandersetzt, kommt es automatisch zu einer Entschleunigung, es fällt leichter die Probleme des Alltages vorübergehend hinter sich zu lassen und zur inneren Ruhe zu finden. Außerdem geht es darum seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen, sein Gefühlsleben auch nach außen zu tragen und sein eigenes Selbstwertgefühl zu steigern, indem man etwas gestaltet, mit dem eigenen Körper, den eigenen Fähigkeiten.

Die gestalterische Therapie kann bei vielen gesundheitlichen Problemen begleitend angewandt werden, so Dr. Thuile, allen voran bei Depressionen und Angst- und Panikstörungen, selbstverständlich bei Stress und Burnout, genauso wie bei Schlafstörungen. Wer etwas gestaltet, fördert damit seine Konzentration, aktiviert auch Erinnerungen und schafft Anreize, um seine eigene Lebensqualität wieder zu verbessern. Das gilt vor allem auch für Erkrankungen, die mit Vergesslichkeit in Zusammenhang stehen, bei neurologischen Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose und auch nach einem Schlaganfall. Diese Therapiemethoden sind auch sehr hilfreich in der Rehabilitation und tragen zur Wiedererlangung der ursprünglichen Fähigkeiten und auch der Beweglichkeit bei.

Eine Verbesserung der motorischen Fähigkeiten erreichen wir auch durch das Tanzen und das Theaterspielen, etwa Menschen mit Parkinson haben ja auch unter einer typische Muskelsteifheit zu leiden. Und gerade das Töpfern ist beispielsweise bei rheumatischen Erkrankungen eine tolle Unterstützung, denn es fördert die Beweglichkeit der Fingergelenke durch sanfte und kontrollierte Kraftanstrengung. Daher steht das Töpfern in verschiedenen Fachkliniken sogar als Teil des Therapieplans auf dem Programm.


In unserer Gesundheitspraxis bekommen Sie Infos und Tipps vom bekannten Südtiroler Komplementärmediziner, Ernährungsexperten und Bestsellerautor: Dr. med. univ. Christian Thuile. Ihre Fragen zum aktuellen Thema können Sie uns auch mailen.