G’sundes Südtirol im März: Blue Zones

Gesund alt zu werden, das wünschen wir uns doch alle und in einigen Gegenden scheint das besser zu gelingen als in anderen, erklärt Dr. Christian Thuile.

Als „Blue Zones“ werden weltweit 5 Regionen bezeichnet, in denen Menschen eine außergewöhnlich hohe Lebenserwartung haben und oft 100 Jahre und älter werden und das bei bester Gesundheit.

Die Bezeichnung „Blue Zone“ ist auf den einfachen Umstand zurückzuführen, dass Forscher jene Zonen, wo dieses Phänomen gehäuft vorkommt, mit einem blauen Stift markierten. Und zwar die italienische Insel Sardinien, die griechische Insel Ikaria, die Inselgruppe Okinawa in Japan, die Nicoya-Halbinsel vor Costa Rica und die Kleinstadt Loma Linda in Kalifornien. Obwohl diese Orte geografisch weit auseinanderliegen, teilen sie auf der einen Seite grundsätzliche Lebensprinzipien, unterscheiden sich auf der anderen Seite aber auch stark voneinander.

In Sardinien etwa leben die langlebigsten Männer der Welt, in Okinawa die langlebigsten Frauen. Auf der Nicoya-Halbinsel fällt eine extrem niedrige Sterblichkeit im mittleren Alter auf, die Insel Ikaria weist weltweit die niedrigste Rate an chronisch Erkrankten auf, in Loma Linda leben die Menschen rund 10 Jahre länger als der US-Durchschnitt.

Die Bewohner aller fünf „Blue Zones“ setzen auf viel natürliche Bewegung, kommen ohne Fitnessstudios und Laufschuhe aus, sie gehen einfach viel zu Fuß und arbeiten mehr mit den eigenen Händen als mit Smartphone und Computer. Sie haben jeden Tag morgens einen guten Grund aufzustehen, erfüllen auch im hohen Alter noch Aufgaben, fühlen sich gebraucht. Und sie pflegen auch täglich Routinen zur Entspannung und beten oder meditieren regelmäßig, halten Mittagsschläfchen. Und sie genießen die Geselligkeit, sitzen zusammen, plaudern, hören oder machen gemeinsam Musik, tanzen.

Die Ernährung in den „Blue Zones“ ist eine pflanzenbetonte, auf Basis von Bohnen, Vollkorn und Gemüse, aber nicht gänzlich fleisch- und fischlos. Und man praktiziert eine 80%-Regel, was bedeutet, dass man mit dem Essen aufhört, bevor der Magen ganz voll ist. Getrunken wird viel Wasser, kaum zuckerhaltige Getränke und auch der mäßige Weingenuss gehört dazu.

Als entscheidender Faktor für ein langes, gesundes Leben hat sich auch das Gefühl der Zugehörigkeit erwiesen, dass ältere Menschen beispielsweise im gleichen Haushalt oder in der Nähe ihrer Familie leben können. Genauso wie das richtige Umfeld und soziale Kontakte, die gesundes Verhalten unterstützen und fördern. In manchen der genannten Regionen sind es auch Glaubensgemeinschaften, die die Lebenserwartung um Jahre erhöhen.

Allerdings ist auch dazuzusagen, dass die Zeit die gesundheitlichen Vorteile langsam schon wieder aufhebt. Die Lebenserwartung für ein heute in den „Blue Zones“ von Sardinen, Costa Rica und Japan geborenes Kind ist mittlerweile nicht mehr höher als im Landesdurchschnitt, da sich der allgemeine Lebensstil den übrigen Regionen angepasst hat. In Loma Linda ist die Prognose am stabilsten, da hier die religiöse Gemeinschaft und die damit verbundenen Gewohnheiten am aktivsten gelebt und auf die nächsten Generationen weitergegeben werden.



In unserer Gesundheitspraxis bekommen Sie Infos und Tipps vom bekannten Südtiroler Komplementärmediziner, Ernährungsexperten und Bestsellerautor: Dr. med. univ. Christian Thuile. Ihre Fragen zum aktuellen Thema können Sie uns auch mailen.