G’sundes Südtirol im Februar: Kunst als Therapie
Kreative Tätigkeiten haben sich in verschiedenen Bereichen der Medizin als wertvolle Ergänzung bewährt, erklärt unser Radio-Dr. Christian Thuile.
Bei der Vielzahl von unterschiedlichen Methoden und Materialien findet jeder eine kreative Tätigkeit, die einem zusagt. Vom Malen und Zeichnen, über das Töpfern, bis zum Schreiben, Musizieren, Tanzen und Fotografieren und auch digitale Medien werden längst für Therapiezwecke eingesetzt. Und es geht dabei nicht darum, eine Künstlerin/ein Künstler zu werden und etwas aus- oder darzustellen.
Kunst heilt auf eine andere Weise wie ein Medikament, das man gegen seine Symptome einnimmt. Kunst, kreative Tätigkeiten, unterstützen die Heilung von innen heraus, kann Heilungsprozesse in Gang setzen, begleiten und vertiefen, durch Entlastung, Entspannung, Ablenkung und Kräftigung. Studien belegen, dass Kunst besonders gut Stress reduzieren und damit sowohl bei gesunden als auch bei kranken Menschen, die Lebensqualität deutlich verbessern kann. Man könnte sagen: Medizin behandelt den Körper, die Kunsttherapie stärkt den Menschen, der krank ist. Heilen bedeutet schließlich nicht nur sich von Schmerzen zu befreien oder Blutwerte in den Griff zu bekommen, sondern oft auch wieder Sinn in seinem Tun zu finden, aus einer Negativspirale herauskommen, wieder in Beziehung mit sich selbst und mit anderen zu treten.
Kunst hat auch einen tiefen psychologischen Aspekt, ist eine Form sich auszudrücken, wenn Worte fehlen und hilft beispielsweise beim Umgang mit Trauer, Angst, Scham und auch bei einer inneren Leere. Sie reguliert vor allem unser Nervensystem, wirkt beruhigend und stabilisierend, kann innere Anspannungen lösen und vieles leichter erträglich machen. Unser Gehirn liebt Ordnung und mit der Kunst kann man Abstand gewinnen und das allein schon, kann in vielen Momenten heilsam sein. Und ein weiterer entscheidender Punkt ist das Gefühl wieder selbst etwas bewegen zu können, nicht immer fremdbestimmt zu sein, oft herrscht bei Krankheit, Trauma oder Depression auch eine lähmende Ohnmacht vor. Beim Herstellen oder auch beim Konsumieren von Kunst, entscheidet jeder selbst über Form und Farbe oder auch Musikrichtung und passt etwas nicht, kann man es aus eigenem Antrieb verändern.
Eine Kunsttherapie kann in vielen Bereichen unterstützend angeboten werden, bei Kindern und Jugendlichen unter anderem auch zur Förderung des Selbstwertgefühls, ganz allgemein in der Rehabilitation, bei schwer kranken Menschen in der Psychotherapie, im Grunde gibt es keine medizinische Fachrichtung, wo sie nicht einen Versuch wert ist.
In unserer Gesundheitspraxis bekommen Sie Infos und Tipps vom bekannten Südtiroler Komplementärmediziner, Ernährungsexperten und Bestsellerautor: Dr. med. univ. Christian Thuile. Ihre Fragen zum aktuellen Thema können Sie uns auch mailen.
