G’sundes Südtirol: Der Sympathikus

Unser autonomes Nervensystem steuert alle inneren Organe und sorgt im Hintergrund – im Grunde unsichtbar – dafür, dass vieles in unserem Körper funktioniert, erklärt Dr. Christian Thuile.

Der Sympathikus ist jener Teil unseres autonomen Nervensystems, der dafür sorgt, dass wir schnell auf Gefahren- und Stresssituationen reagieren können. Vor langer, langer Zeit, bei den Höhlenmenschen, war es überlebensnotwendig, wenn ein Raubtier aufgetaucht ist, in Sekundenbruchteilen im Kampf- oder Fluchtmodus zu sein. Und auch heutzutage gibt es noch genügend Situationen, im Berufsleben, in der Schule, im Alltag, wo der Sympathikus zum Einsatz kommt. Natürlich wenn wir uns erschrecken, aber er bereitet uns auch für Wettkämpfe vor oder wenn wir spontan eine Rede vor anderen Leuten halten sollen.

Schlägt unser Herz in einer Gefahren- oder Stresssituation schneller und kräftiger, steigt der Blutdruck, weiten sich unsere Atemwege und die Pupillen und wird die Muskulatur angespannt und mit mehr Energie versorgt, spult der Sympathikus sein Programm ab, automatisch und im Hintergrund, ohne dass wir aktiv etwas dazu beitragen müssen. Aber er tritt nicht nur bei Gefahr und Anspannung auf den Plan, er bereitet uns auch darauf vor in der Früh aufzustehen, Sport zu machen, er macht es möglich, dass wir uns konzentrieren können und beispielsweise auch, dass wir körperlich stark anpacken können.

Der wichtigste Botenstoff für den Sympathikus ist das Adrenalin, gemeinsam sorgen sie für Herzklopfen, eine schnelle Atmung, feuchte und schwitzige Hände, eine erhöhte Aufmerksamkeit und das Gefühl von einer Sekunde auf die andere, hellwach zu sein. Das Gefühl kennen viele, wenn sie beim Autofahren kurz davor waren wegzunicken. In dieser lebensgefährlichen Situation schießt das Adrenalin nur so ein, der Sympathikus wird höchst aktiv, es reißt uns richtig hoch, man ist plötzlich wieder hellwach.

Ständig können wir den Sympathikus aber nicht fordern und reizen, wenn sein Gegenspieler, der Vagusnerv, nicht mehr mit Erholungsphasen hinterherkommt, wir nur mehr auf Vollgas unterwegs sind, kommen wir in einen Dauerstress. Und das kann mit der Zeit schwere gesundheitliche Folgen haben, der Blutdruck steigt und kann dauerhaft hoch bleiben, es kann auch zu einer dauerhaft erhöhten Herzfrequenz kommen, zu Störungen in der Verdauung, die Atmung beeinträchtigt sein, irgendwann werden alle inneren Organe, die mit dem Sympathikus zu tun haben, negativ reagieren.

Was unserem autonomen Nervensystem allgemein gut tun würde, auch durch Studien belegt, ist eine ruhige, langsame und entspannte Atmung und das kann man lernen. Und auch regelmäßige Bewegung und immer ausreichend, gesunder Schlaf ist ein wichtiger Baustein, um dem Sympathikus den notwendigen Ausgleich zu verschaffen.


In unserer Gesundheitspraxis bekommen Sie Infos und Tipps vom bekannten Südtiroler Komplementärmediziner, Ernährungsexperten und Bestsellerautor: Dr. med. univ. Christian Thuile. Ihre Fragen zum aktuellen Thema können Sie uns auch mailen.