Gartentipp: Die Vorteile von vertikalen Gärten
In Städten und dicht bebauten Wohngebieten ist Platz für Pflanzen oft knapp. Genau hier setzen vertikale Gärten an. Sie nutzen bislang ungenutzte Wandflächen auf Balkon, Terrasse oder an Fassaden und verwandeln sie in lebendige Grünflächen. Statt grauer Mauern entstehen so blühende Wände, die mit Kräutern, Stauden und passenden Begleitpflanzen neue Lebensräume schaffen.
Vertikale Gärten erschließen zusätzliche Quadratmeter, ohne wertvolle Bodenfläche zu beanspruchen. Damit sind sie eine platzsparende Lösung für alle, die auch im urbanen Raum nicht auf eine üppige Bepflanzung verzichten möchten.
Welche Vorteile bietet eine Fassadenbegrünung?
Eine begrünte Wand ist nicht nur optisch ein Gewinn. Pflanzen verbessern spürbar das Mikroklima, wirken wie eine natürliche Klimaanlage, binden Feinstaub, spenden Schatten und tragen zur Isolierung der Gebäudehülle bei. Eine vertikale Begrünung ist deshalb weit mehr als eine dekorative Idee. In Frankreich werden solche Pflanzenwände als „Murs Végétaux“ bezeichnet – ein Begriff, der die gestalterische und funktionale Bedeutung dieser grünen Fassaden unterstreicht.
Systeme der vertikalen Begrünung
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen bodengebundener und wandgebundener Begrünung. Bei der bodengebundenen Variante wachsen klassische Kletterpflanzen wie Wilder Wein oder Efeu direkt aus dem Erdreich. Sie versorgen sich über den Boden mit Wasser und Nährstoffen und erklimmen selbstständig die Fassade.
Im Gegensatz dazu stehen sogenannte „Living Walls“ oder wandgebundene Begrünungen. Hier wachsen Stauden und andere nicht kletternde Pflanzen in speziellen Modulen, die mit Substrat gefüllt und häufig mit einer automatischen Bewässerung ausgestattet sind. Auf diese Weise lassen sich selbst Flächen begrünen, auf denen normalerweise keine Vegetation möglich wäre.
Die passende Pflanzenauswahl für ganzjährigen Effekt
Damit ein vertikaler Garten dauerhaft attraktiv bleibt, sollten die Pflanzen robust sein und auch in den kälteren Monaten gut aussehen. Entscheidend ist eine ausgewogene Kombination aus wintergrünen Arten und blühenden Pflanzen. Ziergräser wie Seggen sorgen für Struktur, während Blütenpflanzen wie Katzenminze farbliche Akzente setzen.
Besonders vielseitig sind Stauden wie Silberglöckchen (Heuchera) oder Storchschnabel (Geranium). Sie verbinden dekorativen, oft wintergrünen Blattschmuck mit einer zeitweisen Blüte und tragen so zu einem harmonischen Gesamtbild über mehrere Jahreszeiten hinweg bei.
Pflege und Wartung vertikaler Gärten
Der Pflegeaufwand ist überschaubar. In der Regel sind zwei Pflegedurchgänge pro Jahr ausreichend – einmal im Frühjahr und einmal im Herbst. Dabei werden einzelne Arten zurückgeschnitten und abgestorbene Pflanzenteile entfernt. Mit diesen Maßnahmen bleibt die grüne Wand langfristig gesund und ansprechend.
Module und Lösungen für kleinere Flächen
Für kleinere Flächen mit einer Höhe von bis zu drei Metern eignen sich stapelbare Module besonders gut. Werden diese standortgerecht bepflanzt, verschwindet die Konstruktion bereits nach wenigen Wochen hinter Blättern und Blüten. Für halbschattige Bereiche bieten sich beispielsweise Purpurglöckchen, Funkien oder Wolfsmilch an, die sich gut mit Farnen und Gräsern kombinieren lassen.
Auch einfache Lösungen ermöglichen eine vertikale Begrünung. Mit Euro-Paletten, selbstgebauten Blumenkästen oder kompakten Fertigsystemen lassen sich Garagenrückwände oder Hauseingänge problemlos gestalten. Freistehende Vertikalbeete aus dem Fachhandel können zudem als Raumteiler oder Sichtschutz dienen und individuell bepflanzt werden. Die Bewässerung erfolgt entweder manuell oder über gängige Systeme für Blumenkästen und Topfpflanzen. Für die Pflege genügt in der Regel ein stabiler Hocker oder eine Klappleiter – eine Arbeitsbühne ist nicht notwendig.
