Weihnachtsmann vs. Christkind

Werbung, Geschäftsauslagen, Alltagssprache: Die US-Erfindung Santa Claus verdrängt das traditionelle Christkind immer ungenierter. Woher stammen eigentlich die beiden Figuren?

Ein pausbäckiger Rauschebart, der zufrieden an seinem Getränk nippt - seit 1931 wirbt Coca-Cola mit Santa Claus. Über die Jahre schafften es immer mehr Weihnachtsmänner von den USA nach Südtirol und beginnen unser Christkind zu verdrängen.

Dennoch: nach wie vor ist Südtirol ein gutes Pflaster fürs Christkind. Das Christkindl wird bei uns noch lange seine Gaben bringen, denn zu Hause unterm Baum kommt in deutschsprachigen Familien fast ausschließlich das Christuskind.

Dass das Christkind  in der Familie bei uns seinen festen Platz hat, ist eigentlich erstaunlich im erzkatholischen Heiligem Land Tirol. Wir verdanken es dem Reformator Martin Luther.. Der lehnte alle katholischen Heiligen ab, mit ihnen auch den heiligen Nikolaus, der im Mittelalter am 6. Dezember die Geschenke brachte. Das Schenken verlegte man auf Weihnachten, die Geschenke bringen sollte in protestantischen Gegenden fortan der „heilige Christ“ oder das Christkind, eine Engelsfigur, meist in Gestalt eines kleinen Mädchens.

In katholischen Gegenden kam weiterhin der heilige Nikolaus. Aber: Die Verhältnisse kehrten sich im Lauf der Zeit um. Nach einer Erhebung von 1930 war das Christkind nun im katholischen Westen und Süden der Gabenbringer.

Im protestantischen Norden wurde das Christkind von jemand anderem ersetzt: dem Weihnachtsmann. Den gibt es seit dem 19. Jahrhundert. Er ist eine Mischung aus dem heiligen Nikolaus und seinem Begleiter, dem strafenden Knecht Ruprecht, der in anderer Robe auch als Krampus oder Klaubauf bekannt ist.

In den 1920er-Jahren setzte sich immer mehr die rote Robe des Weihnachtsmanns durch. Und so richtig berühmt wurde er in seinem rot-weißen Kleid durch die Werbefeldzüge des Limonadenkonzerns Coca-Cola. Und so schwappte die amerikanische kommerzialisierte Version des Weihnachtsmanns zurück über den großen Teich.

In Italien bringt erst seit wenigen Jahren der Babbo Natale, also der Weihnachtsmann Geschenke. Früher mussten Kinder bis zum 6. Januar warten. Dann flog die Hexe auf ihrem Besen von Haus zu Haus. Ihr Name ist abgeleitet vom Fest Epiphanias (Erscheinung des Herrn) am 6. Januar. Der Legende nach verpasste sie die Bescherung des Jesuskindes durch die Heiligen Drei Könige. Seitdem sucht Befana jedes Jahr das Christkind. Bis sie es gefunden hat, beschenkt sie alle Kinder.