G’sundes Südtirol im Jänner: Die Seele stark machen

Erkrankungen der Seele gelten als die größte medizinische Herausforderung unserer Zeit, werden aber immer noch eher abgetan, als Ernst genommen, erklärt unser Radiodoktor Christian Thuile.

Gerade auch bei uns in Südtirol ist der Anspruch kein geringerer als in allen Belangen unter den Besten sein zu wollen, ständig vergleichen und messen wir uns mit anderen. Der Leistungsdruck ist enorm und es fällt vielen schwer ein gesundes Gleichgewicht zwischen Spannung und Entspannung zu finden. Auch die sozialen Medien tragen zu dieser Entwicklung bei und fördern das Gefühl der Unsicherheit und Unruhe. Hier stellt sich jeder bestmöglich dar, im Job, in der Freizeit, in der Partnerschaft, in jeder Lebenslage, wer scheitert wird gnadenlos an den Pranger gestellt und dieser Wahnsinn beginnt oft schon im Kindesalter.

Als Folge der dauernden gesellschaftlichen Beschleunigung werden viele krank, von Depressionen bis zum Burnout, von Ängsten und Panikattacken über Ess-, Verdauungs- und Schlafstörungen bis zum Alkoholismus. Betroffene isolieren sich zunehmend und vernachlässigen Familie und Freunde, verdammen sich auch noch selbst zur Einsamkeit. Allein an Depressionen leiden bei uns in Südtirol über 20.000 Menschen, die Dunkelziffer ist wohl noch höher. Die Alarmsignale werden oft viel zu spät erkannt und eher als eigenes Versagen und nicht als behandlungswürdig angesehen. So kommt eine Studie in 30 europäischen Staaten zum erschreckenden Ergebnis, dass Gemütskrankheiten bereits mehr als jedes andere Leiden die Lebenserwartung senken, mehr noch als Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs.

Seelische Erkrankungen entwickeln sich oft schon bei jungen Menschen und im Stillen, ohne dass es jemand mitbekommt. Man muss sich nur vor Augen führen, dass Jugendliche bereits weitreichende berufliche und private Entscheidungen zu treffen haben, denen sie doch gar nicht gewachsen sein können. Wenn sich täglich in unserem Land bis zu drei Menschen versuchen das Leben zu nehmen, muss uns das doch zu denken geben!

Eine Auszeit (natürlich auch von allen elektronischen Medien) kann ganz allgemein die Lebensqualität deutlich verbessern und solche Phasen sind nicht erst wichtig, wenn die Seele bereits leidet, sondern schon zur Vorbeugung. Es kann helfen sich neue Ziele im Leben zu suchen und auf jeden Fall gilt es zu lernen zwischen Wichtigem und Unwichtigem zu unterscheiden.

Und das allerwichtigste ist: Holen Sie sich Hilfe!

Bei ihrem Hausarzt, den Zentren für psychische Gesundheit und den psychologischen Diensten im Südtiroler Sanitätsbetrieb, bei den Selbsthilfegruppen im ganzen Land, bei freiberuflichen Psychiatern und Psychotherapeuten, bei der Telefonseelsorge der Caritas, bei der Jugendberatungsstelle Young and Direct.

„Die Seele stark machen“ im Jänner in der Gesundheitspraxis „G’sundes Südtirol“.

Tipps und Infos vom bekannten Südtiroler Komplementärmediziner, Ernährungsexperten und Bestsellerautor Dr. Christian Thuile, tätig im Medical Center Quellenhof in St. Martin Passeier. Ihre Fragen können Sie uns auch mailen (bitte Telefonnummer angeben).