Backstage: U3

 

Die Nigerianer John, Dickson und Kelly von der Band U3 leben seit einem Jahr in einem Flüchtlingsheim in Prissian und nutzen dort jede freie Minute, um gemeinsam Musik zu machen. Denn sie haben einen Traum: Sie wollen auf die große Bühne. „Backstage“ über 3 Rapper mit Talent und mehr „Credibility“ als die meisten der aktuellen Szene-Größen.

Um die Musik von U3 zu verstehen, genügt es nicht, sich aktuelle Platten von Flo-Rida oder Drake anzuhören.  „Weil sie nicht das Bild vom Hip-Hop vermitteln,  das wir rüberbringen wollen.“ Die 3 Nigerianer orientieren sich eher an der Urform des Genres. Zur Erinnerung: In den 1970er-Jahren rappten afroamerikanische Jugendliche in den Randbezirken der US-Größstädte – auf der Suche nach Identität und Positionierung in der Gesellschaft oder meist einfach nur, um dem – häufig von Gewalt geprägten - Alltag am Rande der Gesellschaft zu entkommen und sozial aufzusteigen.

Immer zentral ist in dieser Urform des Hip-Hop die Botschaft – der Rap nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel, um sich mitzuteilen und auf die eigene Situation hinzuweisen, Misstände in der Gesellschaft aufzuzeigen oder einfach nur Mut zu machen. „Wenn ein Song keine Message hat, ist es für uns kein Hip-Hop“, sagen U3. 

John, Dickson und Kelly sind vor rund einem Jahr nach Südtirol gekommen. Hip-Hop spielte aber schon in Nigeria eine zentrale Rolle im Leben der Drei. Kelly, der Leitwolf der Gruppe, rappt schon seit vielen Jahren, Dickson hat Erfahrungen als Background-Sänger in verschiedenen Formationen, John ist ein begnadeter Tänzer. „Im Haus Noah in Prissian können wir unsere gemeinsame Leidenschaft für den Hip-Hop weiter ausleben. Dafür sind wir sehr dankbar. Prissian ist wie ein Paradies für uns.“ 

Es wirkt zwar alles etwas improvisiert, was aber nicht heißt, dass sie die Sache mit der Musik nicht ernst nehmen würden. Ganz im Gegenteil: „Wir rappen, wann immer es geht und feilen oft stundenlang an einzelnen Textpassagen.“ Bislang haben sie 8 Songs aufgenommen, darunter die Nummer „Changes“ (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Song der Hip-Hop-Legende Tupac Shakur). Die Botschaft darin? „Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung“, sagen sie.

Aus ihrem Munde bekommt diese Aussage eine ganz besondere Dimension: „Gewalt stand bei uns auf der Tagesordnung in Nigeria. Die Menschen dort wünschen sich nichts mehr als ein Ende dieser Gewaltspirale – eine Veränderung.“ 

Während sie auf den Ausgang ihres Asylverfahrens warten, treten die drei Rapper immer wieder mal in Südtirol auf. In Vergangenheit absolvierten sie Gigs unter anderem im Ost-West-Club, im Sudwerkclub, Rahmen von „Refugees Welcome“ oder auch im Stadttheater Bozen. Letzterer ist ihnen besonders in Erinnerung geblieben: „Diese positive Energie, die wir gespürt haben, war einfach großartig. Hip-Hop ist in Südtirol ja nicht so populär wie andere Musikrichtungen. Die Leute haben trotzdem mitgemacht.“

Die Bühne ist ihr Ding, daraus machen sie keinen Hehl: „Wir wollen die Welt bereisen und irgendwann von Musik leben können, auch wenn es schwer ist und es weltweit sehr viele gute Rapper gibt. Aber wir werden hart an unserem Ziel arbeiten.“ In diesem Sinne: „Shout out for U3.“    

 

 

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